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Schülerprojekt 2018

Das Projekt "War Requiem: Ewig ruhe der Krieg" bringt junge Menschen verschiedener Völker zusammen - Brittens Musik als Ausgangspunkt für eine Auseinandersetzung mit den großen Kriegen des 20. Jahrhunderts

Beim Schülerprojekt zu Benjamin Brittens "War Requiem" arbeiteten Schülerinnen und Schüler im Raum Köln-Bonn zwei Monate lang in den Fächern Geschichte, Englisch, Deutsch, Religion, Ethik, Philosophie, Kunst und Musik zu verschiedenen Themenkreisen. Beteiligt waren mehr als 10 Klassen aus Gesamtschulen, Gymnasien und einem Berufskolleg.
Betreut wurde das Projekt durch ein eigens zusammengestelltes pädagogisches Team unter der Leitung von Dr. Eva de Voss und durch zahlreiche Musiker, die in den Unterricht gingen und mit den Schülerinnen und Schülern arbeiteten. Das Projekt endete nach zwei öffentlichen Abschlusspräsentationen in der Elisabeth-Selbert-Gesamtschule Bonn sowie im Friedrich-Wilhelm-Gymnasium Köln im März 2018 mit dem für die Schülerinnen und Schüler nahezu kostenlosen Besuch des Konzerts in der Kölner Philharmonie.

Gesamtschule Hennef

„Ewig Ruhe der Krieg!" Diese Botschaft war allen beteiligten Schülern sofort klar und inspirierte zu künstlerischer oder sprachlichen Auseinandersetzung mit dem Thema. Auch ohne die Musik Benjamin Brittens kann man sich mit dem Thema auseinandersetzen. Die Musik und auch die im Werk vertonten Texte Wilfred Owens bieten aber einen besonderen Zugang, den ca. 70 Schülerinnen und Schüler der Oberstufe der Gesamtschule Hennef im Kunst­, Musik­ und Literaturunterricht erlebten.

Der Literaturzirkel der Q2 unter der Leitung von Frau Novotny­Schmandt beschäftigte sich mit den Texten Owens, in denen die Gräuel des Krieges eindringlich beschrieben werden. Einige Schülerinnen schrieben auch eigene Texte, indenen sie das Thema auf aktuelle Themen wie Fremdenhass und Kriegstrauma erweiterten.

"Abschied"

Von Annika Haraths, Gesamtschule Hennef

Ich schenk dir eine Hand voll Träume,
ich schenk dir eine Hand voll Glück.
Brech ich auch auf in unbekannte Räume.
Ich weiß nicht, was ich hier versäume.
Ich weiß nicht, ob ich komm zurück.
Gib Acht auf meine Träume
und wiege sanft mein Glück.
Wenn ich der Welt dort nicht entrück,
dann komm ich vielleicht wieder,
ein abgekämpfter Krieger.
Ohne Hoffnung, ohne Glück,
doch das säh ich in deinem Blick.

Ich schenk dir eine Hand voll Hoffnung,
ich schenk dir meine Menschlichkeit.
Gewalt kam wie ein Wetterumschwung;
Gewitter gehen mit der Zeit.
Und ist der Regen noch so kalt,
So gabst du mir doch immer Halt.
Doch jetzt muss ich alleine gehen:
Ich habe Angst Schreckliches zu sehen,
Taten, die ich nie begehen wollte.
Nie im Leben wollt ich hassen.
ich fürcht mich selbst dort zu vergessen.
ich weiß, dass ich nicht töten sollte
und doch muss.

Und sollte ich dort sterben,
in diesem fremden Land.
Dort, unter fremden Sternen
und ohne deine Hand,
die meine Wange streichelt.
Und ohne deinen Mund,
der meinen Lippen schmeichelt
und mich so macht gesund.

Und sollte ich dort sterben,
in diesem fremden Land.
Dort, unter fernen Sternen.
Ein Licht, dass plötzlich schwand.
Dann will ich, dass mein Denken
und Fühlen bleibt bei dir.
Sollte mein Leben sinnlos enden,
so bleibe ich doch hier.

Zeig ihnen meine Träume,
zeig ihnen mein Glück.
Wenn ich alles hier versäume,
wenn ich niemals komm zurück,
dann soll mein Leben brennen,
wie ein Feuer in der Nacht.
Sie sollen meinen Namen nennen,
ich möcht, dass sich die Flamm entfacht,
in allen Herzen.

Wenn mein Dasein jetzt zerrinnt
Und meine Träume Asche werden,
fortgetragen wie von Wind,
ich wünscht es wär mein Sinn auf Erden,
dass nie wieder ein Krieg beginnt.
"Satzbau"

Von Felix Krill, Gesamtschule Hennef

Zu hören waren die Absätze
Über verbranntem Boden, getränkt mit denen die sich widersetzen
Nur weil sie nicht tun was befohlen, sondern sich wieder setzen
Mit dem Sprengsatz übersetzen, mit entsetzen die die sich aufsetzen
Pseudo legitime Absätze
Zersetzen
Versetzen
Besetzen
Ein Dreisatz
Ein Bausatz
Schlichtweg ein Satz
Den es gilt zu übersetzen
Infernalisch durchsetzt
Mit lechzenden Hetzen vieler Entsetzten
Die auch nicht mehr als schätzen

Und sich dann bei Sätzen auf die Fresse fletzen
Es als Setzen verstecken
Und dann dafür den Frieden versetzen
Nicht sehen, nicht verstehen
Dass sie verantwortlich sind für vieler Entsetzen
Und so den Umsatz maxen
Derer die mit Aufsätzen
Eben jenen Umsatz umsetzen
Doch die die unter dem Absatz sitzen
Müssen sich untersetzend verstecken
Bis die Möglichkeit kommt zu übersetzen
In vermeidlich friedliches Territorium
Nur um sich dort entsetzt
In Hetze rein zu setzen
Gespickt mit heftigen Sätzen
Unter Einsatz von kräftigen Ästen
Dreschen
Preschen
Ängste umsetzen
Es heißt trotzdem Segel setzen
Weg von Leid
Krieg mit Verständnis ersetzen
Reden statt Säbel wetzen
Helfen statt vergessen
Dass wir doch in Wirklichkeit Eins sind.

Impressionen vom Schulbesuch Hennef am 27.2.2018

Musikkurse der Gesamtschule Hennef

Für die Schüler der Musikkurse der EF von Frau Poschenrieder und Frau Schmitz stand im Unterricht die Auseinandersetzung mit der Musik Brittens im Vordergrund. Das sehr komplexe Werk verknüpft die Gedichte Owens mit den Texten der lateinischen Totenmesse und bedient sich verschiedener musikalischer Stilmittel. Die Konfrontation mit den ungewohnten Klängen und das eigene Musizieren ausgewählter Abschnitte des Requiems waren durchaus Herausforderungen, die zunächst gemeistert werden mussten. Besonders intensiv wurde das "Dies Irae", also die Vertonung des Jüngsten Gerichts, untersucht. In der Musik hört man das ängstliche Zittern und das verzweifelten Klagen der armen Seelen sowie die brutale Unausweichlichkeit, mit der am "Tag des Zorns" nicht nur die Seelen gerichtet, sondern auch die Welt zerstört wird. Während seines Besuchs leitete der Dirigent die Anwesenden und ausgewählte Schüler an Schlagzeug und Saxophon an, diesen Teil des Werkes zu sprechen bzw. zu musizieren. Die Schüler bekamen einen Live­Einblick in die Musik, die demnächst in drei Konzerten von ca. 300 Ausführenden aus verschiedenen Ländern aufgeführt wird. Nach dem Eindruck gefragt, den die Musik bzw. das War Requiem auf sie mache, wurde unterschiedlich geantwortet: "Es ist zwar nicht die Musik, die ich normalerweise höre, aber es ist schon beeindruckend." "Es kann nicht mit alltäglicher Musik umgesetzt sein, dann hätte es nicht die Wirkung, die es so hat. Auch in diesem kleinen Rahmen bei uns in der Schule finde ich die Musik sehr beeindruckend."

Grundkurs Kunst der Gesamtschule Hennef

Nach einer ersten freien bildhaften Umsetzung der Musik erarbeiteten die Schülerinnen und Schüler des Kunstkurses der EF von Frau Di Tomaso im Unterricht Bilder und setzten sich mit Farben passend zu den Klangfarben der Musik auseinander. Eine Schülerin schrieb dazu: "Rot, eine aggressive Farbe, zumindest auf den ersten Blick. Doch strahlt sie auch eine besondere Wärme aus. Aggressive, provozierende Klänge, die dennoch Sanftheit mit sich bringen, was dem Spiel etwas wirklich besonderes verleiht."

Leistungskurs Kunst der Gesamtschule Hennef

Die Soldatenbilder des Kunst­Leistungskurses der Q2 waren in einer Ausstellung im Selbstlernzentrum zu sehen. Die Soldatenbilder wurden in der Ausstellung mit dem Dialog zweier verfeindeter Soldaten verknüpft: dem Gedicht "Strange Meeting" von W. Owen.

Schulbesuch am Hansa-Gymnasium am 12.3.2018

Requiem aeternam

Von Nina Holtey-Weber, Hansa-Gymnasium Köln

"
Was für Totenglocken gebühren denen, die im Orchester des Krieges wie Vieh starben?
Ihnen gebührt die darauffolgende Stille, das Aufwirbeln von Staub, wenn Gewehre fallen, das Verstummen von Schreien, das Trocknen von Blut und das Widerhallen von unbesorgtem Kinderlachen. Welche Kerzen sollen ihren Weg erhellen? Kein Wachs soll tropfen, jedoch sollen die Herzen derer, die leben, aufglimmen, den Raum in das glühende Licht der Hoffnung tauchen.

Und dann, wenn das Morgengrauen nahe ist, wird schrill die Posaune ein Duett mit klappernden Zähnen spielen, und so treten sie bangend vor den Richter. Bestimmt wird ein Buch aufgeschlagen, in welch ist treu eingetragen jede Schuld aus Erdentagen. Aber was für Gerechtigkeit sollen sie erbitten, wenn dieser Krieg in sie drang, zu Taten unverzeihlich?
Und der Tod war niemals ihr Feind gewesen, wenn seine Paukenschläge in ihren Ohren widerhallte, so antworten sie mit derselben Melodie, die er sang. Atmeten diese Luft, längst vom blutigen Staub durchraucht. Selbst wenn ihre Augen weinten, ihr Mut wankte nicht, reckten flehend die Hände empor. Schlussendlich erhob sich doch ein weiterer Arm über ihren Köpfen, glänzend schwarz, ein Geschütz, gen Himmel gerichtet, bereit zum Fluch.

Noch gestern küsste ihn die Sonne wach, doch was treibt nun die Sonne in dem törichten Versuch, den ewigen Erdenschlaf zu stören, als das Wasser des Flusses die leblose Hülle mit sich zog.
Und dadurch, dass ihre Ohren taub durch das dröhnende Orchester wurden, und ihre Augen blind und wässrig durch alles, was ihnen auf dem Feld ins Auge fiel, sahen sie nicht mehr, was sie taten, befolgten Befehle, hörten nicht mehr die süßen Harfenklänge des Friedens, noch sahen sie, wen die Sonne dennoch streichelte.

Auf Sturm und Blitze folgt die Ruhe, der Rückzug. Wird dieser wirklich all diese Leben wieder mit Jugend füllen, alle Tränen stillen und alle Narben verblassen lassen? Doch der Tod war unter ihnen und die vom Krieg Gezeichneten sollen nicht vergessen werden, die Narben nicht verblassen, das Tränenmeer nicht getrocknet werden. Verherrlicht nicht das, was geschah, nehmt es wissend an und vergesset nie, dass die Narben sowohl alt als auch existent sind.

Das was sie tun können ist warnen, vor Elend und Leid.
Ewige Ruhe schenke ihnen.
Und es leuchte in ihnen das ewige Licht.
Mögen sie in Frieden Ruhen."

Elisabeth-Selbert-Gesamtschule Bonn Bad Godesberg

Die Verwüstungen des Zweiten Weltkriegs liegen scheinbar weit zurück, doch Deutschland und so auch Deutschlands Schulen sind voll von Menschen, die aus Trümmern flohen, die Angehörige und ihre komplette Existenz verloren haben. Kolleginnen und Kollegen in internationalen Vorbereitungsklassen – und nicht nur dort - leisten erste Hilfestellungen für die Eingliederung der Jugendlichen in Sprache und das deutsche Schulsystem.

Vor diesem Hintergrund liegt es nah, dass sich Schülerinnen und Schüler der Oberstufe mit der erschütternden Thematik des „War Requiem“ intensiv auseinandersetzen. Ihre Arbeiten fanden am 16. März 2018 bei einer von Thomas Neuhoff moderierten Präsentation in der Aula der Elisabeth-Selbert-Gesamtschule (ESG), Bad Godesberg, ihre öffentliche Würdigung. Die Solisten Erik Sohn und Scott Wellstead sowie Chormitglieder des Bach-Vereins Köln lieferten dazu live gesungene musikalischen Kostproben aus dem Werk Brittens.
Kunst- und Literaturkurse bieten sich für eine Beschäftigung mit dem Werk besonders an: Im 13. Jahrgang der ESG entstand im Kunstkurs für die Bühne der Aula ein Schlachtfeldpanorama mit bleichen Soldatensilhouetten, Kunstkurse der Gesamtschule Hennef fertigten u.a. "sprechende" Soldatenporträts an und griffen damit eine der ergreifendsten Szenen des "War Requiem" auf, den Dialog zweier Gefallener aus verfeindeten Armeen.

Mit der Lyrik des im Ersten Weltkrieg umgekommenen Engländers Wilfred Owen befasste sich der Leistungskurs Englisch an der ESG. Über diesen Dichter wurden auch Facharbeiten geschrieben.

Die Literaturkurse der Bonner und der Hennefer Gesamtschule steuerten szenische Rezitationen selbstverfasster Texte zur Kriegsthematik bei und auch der Lateinkurs der ESG konnte mit einer szenischen Umsetzung der Gerichtsszene am Jüngsten Tag glänzen. Selbstverständlich hatte man vorher eigenhändig die "Dies irae"-Passage aus der lateinischen Totenmesse übersetzt, die, der Tradition folgend, für Britten eine der Textgrundlagen seines "War Requiem" gewesen war.

Öffentliche Abschlusspräsentation am ESG

Grundkurs Kunst der Elisabeth-Selbert-Gesamtschule

Der Grundkurs Kunst des 12. Jahrgangs an der Elisabeth-Selbert-Gesamtschule in Bad Godesberg bereitete unter der Anleitung von Kunstlehrerin Monika Blachmann die Bühnendekoration für die in der Aula stattfindende öffentliche Abschlusspräsentation von Schülerarbeiten zu Brittens "War Requiem" am 16. März 2018 vor. Aus farbig besprühtem Styropor entstanden Elemente, die Einschusskrater auf dem Schlachtfeld darstellten. Sie begrenzten den Bühnenrand der Aula. Für ihre Umsetzung in Styropor wurden Schablonen aus Pappe für Soldatensilhouetten angefertigt. Diese wurden später mit einer Projektion der zerstörten Kathedrale von Coventry kombiniert.

Schülerstatements - Literaturzirkel Q1

"Krieg herrscht immer! Nicht jetzt hier an diesem Ort, aber jetzt, in diesem Moment an so vielen anderen Orten auf unserer Welt." (Julius, 17 Jahre)
"Wir sind die neue Generation und werden irgendwann über Krieg oder Frieden entscheiden. Wir sollten es besser machen als unsere Vorfahren." (Khadija, 18 Jahre)
"Krieg ist grauenvoll, brutal, vernichtend, düster. Genau deshalb befassen wir uns mit ihm, weil man auch die dunklen Seiten der Welt beleuchten muss." (Malene, 17 Jahre)
"Wir sind die neue Generation und werden irgendwann über Krieg oder Frieden entscheiden. Wir sollten es besser machen als unsere Vorfahren." (Khadija, 18 Jahre)
"Der Reiz des Projekts liegt in der Variabilität und Kreativität. Jeder hat sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und seine eigenen Gedanken und Gefühle mit eingebracht." (Elona, 18 Jahre)
"Krieg ist für uns junge Menschen nur eine abstrakte Vorstellung. Wir kennen die Zahlen der Toten und Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg, das ist extrem – aber können wir die Erfahrungen der Menschen damals wirklich verstehen?" (Alina, 18 Jahre)
"Ich denke an meine Großeltern, an meinen im Krieg gestorbenen Opa. In der Vergangenheit meiner Familie ist der Krieg inbegriffen." (Konrad, 17 Jahre)
"Bilder von Kriegsgräuel im Fernsehen kann man abschalten – Syrien ist für die meisten Schülerinnen und Schüler weit weg. Anders ist es, wenn man beginnt, das Leiden der Menschen in seine eigene Vorstellungs- und Gefühlswelt hineinzulassen, und genau das passiert beim Schreiben über den Krieg: Plötzlich sind Schmerz und Zorn und Trauer ganz nah." (Barbara Heidling, Kursleiterin ESG)

Friedrich-Wilhelm-Gymnasium Köln

Am 22. März 2018 um 19 Uhr fand in der Aula des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums Köln die öffentliche Abschlusspräsentation des Schülerprojekts "War Requiem – Ewig ruhe der Krieg!" statt. Schülerinnen und Schüler der Musikkurse von Christoph Behrens-Watin und Claudia Sohn informierten mithilfe von Power Point-Präsentationen über Benjamin Brittens Leben und seinen Bezug zum Pazifismus und fassten darüber hinaus wichtige Stationen im Leben und Wirken von Wilfred Owen zusammen, die – wie auch die Entstehungsgeschichte des "War Requiems" – zudem auf Schautafeln mittels handschriftlich erstellter Poster festgehalten waren. Schüler lasen zwei "Feldpostbriefe" vor, in denen Soldaten ihren Familienangehörigen eindrücklich vom Elend an der Kriegsfront berichteten. Der Tenor Scott Wellstead, der Jugendchor der Lukaskirche Bonn und der Chor des Bach-Vereins Köln präsentierten unter der Leitung von Thomas Neuhoff live vorgetragene Musikausschnitte aus Brittens "War Requiem", darunter das für Kinderstimmen komponierte "Te decet hymnus", Brittens von Scott Wellstead vorgetragene Owen-Vertonung "Lied für die verlorene Jugend" sowie Offertorium und Agnus Dei für Solo und großen Chor.

Zu Gast waren bei dieser Veranstaltung auch Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Hennef, des Hansa-Gymnasiums Köln sowie des Berufskollegs Bergisch Gladbach, die ebenfalls am Schülerprojekt 2018 teilgenommen hatten.

Impressionen der Abschlusspräsentation FWG

Helena Werner und Felix Krill, Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Hennef, sowie Nina Holtey-Weber vom Hansa-Gymnasium Köln waren vom Bach-Verein eingeladen worden, noch einmal ihre bewegenden selbst verfassten Antikriegsgedichte vorzutragen, mit denen sie bereits im Rahmen der Präsentationen in ihrer eigenen Schule eindrucksvoll auf sich aufmerksam gemacht hatten:

Aus Nicht-Wissen Flaggen hissen

Von Helena Werner, Gesamtschule Hennef, Schülerin der Q 2

"Aus Nicht-Wissen
Flaggen hissen
Hass verbreiten
Fehlgeleitet
Er frisst sie auf
Ihr Innerstes
Ihr Herz
Und führt
In den Tiefen ihrer Seele
Zu nichts
als
Einsamkeit
Allein
In der Menge
Im Gedränge
Unter
Gleichgesinnten
gleichsam Verirrten
verwirrten Gestalten
die nichts mehr auf die Liebe halten
Lass sie doch wachsen
In dir blühen, gedeihen
Und reiß mit ihr
die Mauern nieder
Kein Allheilmittel (die Liebe)
Doch vielleicht
Ein erster Schritt

In Richtung Verständnis
des Gegenübers
Klar ist das nicht einfach
Wie lange hab‘ ich gebraucht
um zu begreifen
dass du dich bloß fürchtest
und das ist doch nur menschlich
Wer hat nicht erstmal Angst
Vor dem der fremd ist

Doch warum
lässt du dir
davon die Augen verschließen
dich beherrschen
mit Ablehnung zu wuchern
Wo dein Herz einmal
offen für den andern war?

Und klar kennst du ihn nicht
Hier wissen die meisten nicht mehr
Wie das ist
auch ich nicht
Krieg.
Zum Glück nicht
Doch
es bleibt auch nicht mehr
oder weniger als das, Glück.

Wir haben keine Wahl
innerhalb welcher Grenzen
wir geboren werden
Wir haben nur die Wahl
diese für diejenigen zu öffnen
die innerhalb ihrer nicht mehr leben können
weil von all dem das sie einmal hatten
nichts als Schutt und Asche blieb
Wir haben keine Wahl
wie wir uns fühlen
wovor wir Angst haben
Doch wir werden nicht umsonst
mit Herz und Hirn geboren
Wir haben sehr wohl eine Wahl
Ob wir uns von Angst leiten lassen
Oder ob wir uns diese bewusst machen
Als Teil unserer Selbst akzeptieren
uns fragen wo sie herkommt
und wieviel sie noch mit der Realität gemein hat
nachdenken, bevor wir
handeln
sprechen
verurteilen
Und doch dabei unser Innenleben
nicht wegrationalisieren
unsere Empathie
und die Fähigkeit zu lieben
nicht verlieren

Wir können keinen Krieg der Welt
an einem Tag beenden
Aber wir können jeden Tag versuchen
Unser Herz zu öffnen
Für jeden
den wir kennen
Menschen aus unserer Heimat
Und jeden den wir noch kennenlernen können
dem man die Wahl genommen hat
in seiner Heimat zu leben
Niemand geht freiwillig in die Fremde
Er wird dorthin vertrieben
Für jeden der liebt
versucht zu verstehen
zuhört und tröstet
Für jeden der
hasst
sich streitet
Kriege anzettelt
Mauern baut
oder sie wieder einreißt
Jeden der zweifelt
Dem alles zu viel
zu schnell
und kompliziert wird
Der nicht mehr durchblickt
und jeden der weiß was er tut
oder zumindest glaubt es zu tun
Jeden der mit dem Kopf fühlt
und mit dem Herzen denkt
Jeden der sich bemüht
dabei Erfolg hat und scheitert
und jeden der es gar nicht erst versucht
Für jeden der in seinem Glauben Trost findet
oder sich darin verrennt
Jeden der für die Wahrheit schreibt
oder glaubt für Fakten gäbe es Alternativen
Für jeden Offenherzigen
und jeden Fanatiker
Jeden der nach vorne blickt
oder noch am Gestern festhält
Für jeden der Angst hat
sich alleine fühlt und Hilfe braucht
Der flüchtet
vor Hunger, Krieg und Armut
oder nur vor sich selbst

Jeder von uns hat Angst. Die Welt kann ein furchtbarer Ort sein, voller Paradoxe und Unstimmigkeiten, Gefahren, Bosheit, Leid, Tod und Schmerzen, doch wenn wir uns davon bezwingen und lenken lassen, deshalb nur einfach immer und immer weiter hassen, dann zerstören wir nicht nur andere, Menschen um uns herum und auch die die uns weit weg erscheinen, sondern am Ende auch uns selbst. Ich sage nicht, dass man damit gleich die Welt retten kann, aber wenn wir einfach nur versuchen, stattdessen ein wenig mehr zu lieben, wird sie vielleicht für uns alle zu einem besseren Ort."

Berufskolleg Bergisch Gladbach

In acht Stunden zum "War Requiem" machte sich das Berufskolleg Bergisch Gladbach im Religionsunterricht zur Aufgabe, die Seite der Opfer zu verstehen, Soldaten und Zivilisten. Aber ein Standbild aus der Zeit kurz nach 1918 ("Gott mit uns!") zeigte die andere Seite: stolz und mit aufrechtem Gang, mit Jesus‘ Hand auf der Schulter, marschiert dort einer vorwärts – der Blick nach vorne, die Waffe im Arm. Am Ende ist klar: Es gibt nur Verlierer im Krieg.
So im Richterbuch 5,28, wo die Mutter des scheinbar unbesiegbaren Feldherrn Sisera aus ihrem Fenster blickt und vergeblich auf den siegreichen Sohn wartet – wir Leser/innen wissen, dass er längst tot ist. Die Utopie der Feindesliebe scheint der einzige Ausweg:

Fantasien zu Siseras Mutter (Richterbuch 4 und 5)

28 Aus ihrem Fenster blickt Siseras Mutter / und klagt durch das Gitter: / Warum säumt sein Wagen zu kommen, / warum zögert der Hufschlag seiner Gespanne?
29 Eine Kluge aus ihren Fürstinnen antwortet ihr, /und sie selbst wiederholt deren Worte:
30 Sicher machen und teilen sie Beute, /ein, zwei Frauen für jeden Mann, / Beute an Kleidern für Sisera …


Fantasien zu Siseras Mutter (Richterbuch 4 und 5; besonders 5,28f) von jeweils unterschiedlichen Schülerinnen und Schülern erdacht:

3 Tage zuvor:
Sisera erzählt seiner Mutter, dass er erneut in eine Schlacht ziehen muss. Der König sei nicht gut zu seinem Volk und er müsse vernichtet werden. Die Mutter fängt an, vor Sorge zu weinen, doch Sisera versichert ihr, er komme wieder, so wie die letzten Male auch. Sie solle in der Zeit, wo er fort ist, in der Burg bleiben. In drei Tagen würde er wieder da sein. Wenn sie aus ihrem Fenster schaue, würde sie ihn sehen.

30 Tage später:
Siseras Mutter blickt aus ihrem Fenster und klagt: "Er kommt nicht zurück, er kommt nicht mehr zurück."
Ihre Stimme bricht ab.
Sie sinkt auf ihre Knie.
Sie zerbricht an ihrem Schmerz.
3 Tage zuvor:
Siseras Mutter steht in ihrer Küche und backt einen Kuchen. Ihr Sohn kommt in drei Tagen und sie möchte vieles Vorbereiten. Sein Bett muss noch vorbereitet werden und das Haus reingemacht werden. Sisera verdient nur das Beste, da er die Schlacht gegen den anderen Heerführer Barak gewinnen wird, wie jede Schlacht. Siseras Mutter ist so stolz auf ihren Sohn und möchte ihn in drei Tagen besonders ehren, da er so viele feindliche Könige besiegt hat.

30 Tage später:
Siseras Mutter macht sich Sorgen, sie weiß, dass ihr Sohn der erfolgreichste Kriegsherr seines Landes ist. Sie sucht nach Gründen, warum er so lange braucht. Sie versucht auszublenden, dass er gefallen sein könnte, da sie fest vertraut, dass er immer siegreich ist. Doch mit jedem Tag, den sie länger wartet, wachsen ihre Sorgen.
3 Tage zuvor:
Die Mutter von Sisera unterhält sich mit ihrem Sohn. Sie Spricht mit ihm und versucht, ihn daran zu hindern, wieder in den Krieg zu ziehen. Sie macht sich Sorgen, da sie sich sicher ist, dass Sisera schon so viele Schlachten gewonnen hat, dass diese Glückssträhne nicht ewig anhalten wird. Sie möchte Sisera davon überzeugen, dass diese ganzen Schlachten sinnlos sind und nur Opfer bringen.

30 Tage später:
Sie wartet auf ihren geliebten Sohn. Trotz seiner Sünden bleibt er ihr Sohn. Sie würde ihm alles verzeihen, auch den Tod am fremden König, denn die Liebe ist größer als alles andere. Sollte ihr Sohn sich selbst verzeihen, wird sie es auch tun. Er sollte sich seiner Taten bewusst sein und zu ihnen stehen. Aber ihr Sohn muss die Konsequenzen tragen für seine boshaften Taten im Kampf, denkt sie. Trotzdem ist ihre Sehnsucht groß.
Wo bleibt er nur?
3 Tage zuvor:
Sie ist stolz auf ihren Sohn, erwartet ihn wie jedes Mal am Horizont. Dass er immer siegreich zurückkehrt. Sie hofft und weiß, dass ihr Sohn wiederkommen wird – wie immer. Und dass die Schlacht gut verlaufen ist. Sie bereitet schon sein Zimmer vor und macht alles zurecht, sie besorgt Essen und will ein gutes Mahl zubereiten. Sie hat keine Bedenken. Sie ist stolz auf ihren Sohn und erwartet, dass er wieder mit einem sieg zurückkehrt. Sie wartet auf ihn voller Hoffnung, dass er mit seinem Heer zurückkommt.

30 Tage später:
Dreißig Tage danach kommen Barak und Deborah mit ihren Truppen und übergeben den Leichnam des Sisera. Die Mutter trauert zuerst um ihren Sohn, aber spricht mit ihren Gästen über den Krieg und dessen Folgen. Die Mutter sagt: "Nach dem Kampf weinen immer beide, die Mütter der Gefallenen und die der Sieger. Denn der gestorben ist, kehrt nie wieder und der, der ihn getötet hat, wird nicht mehr er selbst sein.
3 Tage zuvor:
Sie wartet schon lange Zeit auf Sisera. An jedem Tag sitzt sie erneut vor den Gittern und wartet auf ihren Sohn. Sie hofft jeden Tag erneut, dass sie ihren Jungen am Abend in den Armen halten könnte.
Schon wieder eine Schlacht, denkt sie sich. Eigentlich weiß sie, oder versucht sich zu beruhigen, dass er ein guter Kämpfer ist. Trotzdem hat sie ein komisches Gefühl, das sie plagt. Sie hat einen Brief von ihm, den er ihr gelassen hat, kurz bevor er wieder ging.

30 Tage später:
Leidend und weinend kniet sie vor der Tafel. Der Verlust des Sohnes ist für die edle Dame nicht zu verkraften. Hatten ihre Zofen ihr noch Hoffnung gemacht, dass er sich nur durch die Siegesfeier verspätet, so war am fünften Tag des Verzugs alle Hoffnung wieder gestorben. Genau wie ihr teurer Sohn.
Trotz der Niederlage wurde, um der Gefallenen zu gedenken, eine Tafel aufgestellt, die erinnern soll an die Zeiten des Sieges.
Doch auch Wochen später kann Siseras Mutter nichts anderes tun als Tag für Tag zu Tafel zu kommen und mit ihren Tränen die Blumen zu wässern.

Im Kunstunterricht gestalteten die Schüler/innen der GEA 12 des Berufskollegs Bergisch Gladbach Drahtfiguren aus Kaninchen- und Rosendraht, in die sie ihre Gefühle zu all dem hineinbogen. Im Vordergrund dieser Darstellungen, z.B. mit Titeln wie "Die Last" (von Jonathan Klaas), "Die erschöpfende Hoffnung" (Hannah Brandt), "Die tragische Flucht" (Leonie Scheidt), "Die Schlacht" (Kathi Überberg, Ronja Kranz), "Der Todessstuhl" (Larissa Stenzel), "Der leidvolle Zusammenbruch" (Maya Estela Burchardt) oder "Die Hoffnung stirbt zuletzt" (Jennifer Fuhrmann) stand der mannigfaltige Ausdruck von Schmerz.
Die Figuren wurden im Rahmen der Abschlusspräsentation im Friedrich-Wilhelm-Gymnasium Köln öffentlich ausgestellt:


Bertha-von-Suttner-Gymnasium Andernach

One by one - Abraham erschlägt die Hälfte der Jugend Europas.

Beim ersten Hören des Stückes "Offertorium" in der Schule war ich sehr skeptisch. Sowohl die Musik als auch der Text haben mich nicht überzeugt. Ich fand das Requiem einfach traurig, deprimierend und nur „schwer bekömmlich“. Beim erneuten Lesen und Anhören zu Hause habe ich darüber nachgedacht, ob vielleicht nicht genau das das Ziel dieses Requiems ist. Es stellt die Gräueltaten des 1. Weltkriegs dar, eine fröhliche Auslegung des Stückes mit einer harmonischen Polyphonie würde unpassend wirken. Die verschiedenen Stimmen, die sich schneiden und abwechseln, kreieren ein unruhiges, chaotisches Bild, das den Krieg eindrucksvoll widerspiegelt.

Wir haben uns gefragt: Kann man eigentlich in den Bibeltext über Abraham und Isaak einfach so eingreifen und seine zentrale Aussage ändern? Geht das so einfach? Hier muss man die historischen Umstände zur Rate ziehen. Im Krieg ist alles verloren und Gott wird vergessen. Gott hatte Abraham nicht befohlen, seinen Sohn zu töten! Das zeigt, dass der Krieg ein gottverlorenes Unterfangen ist und aller Schrecken nicht der Religion angelastet werden kann.

Nick Hellinger, Jahrgangsstufe 11, Bertha-von-Suttner-Gymnasium Andernach

Meine ersten Gedanken, nachdem ich das Stück "Offertorium" gehört habe, waren, dass Britten durch die musikalische Begleitung den Teil des Tenors und Baritons sehr ausdrucksstark umgesetzt hat. Es ist ein krasser Kontrast zum Knabenchor und dem Chor. Man erkennt, was Britten mit dieser Unterbrechung meint. Er klagt den Urvater Abraham, der für die gesamte Christenheit steht, an, den Frieden nicht bewahrt zu haben und die "Abschlachtung" der halben Jugend Europas nicht verhindert zu haben. Ich finde es gut, dass Britten gerade dieses Gedicht von Wilfried Owen genommen hat, da er die Geschichte, die man normalerweise als Christ mit "happy end" kennt, verändert hat und somit mahnt, dass die Christenheit das fünfte Gebot nicht geachtet hat. Dass er den biblischen Text so verändert, finde ich vollkommen okay, weil er es für eine gute Absicht, hier zur Ermahnung zu Frieden und Versöhnung, gemacht hat.

Philipp Spurtzem, Jahrgangsstufe 11, Bertha-von-Suttner-Gymnasium Andernach

Teilnehmende Schulen

  • Bertha-von-Suttner-Gymnasium Andernach
  • Berufskolleg Bergisch Gladbach
  • Elisabeth-Selbert-Gesamtschule Bonn-Bad Godesberg (Öffentliche Abschlusspräsentation, Freitag, 16. März 2018, 10.45 Uhr)
  • Friedrich-Wilhelm-Gymnasium Köln (Öffentliche Abschlusspräsentation, Donnerstag, 22. März 2018, 19 Uhr)
  • Gesamtschule Hennef (Schulbesuch mit Live-Musik am 27. Februar)
  • Hansa-Gymnasium Köln (Schulbesuch mit Live-Musik am 12. März, 9.55-11.30 Uhr)

Das Schülerprojekt 2018 wird gefördert von der RheinEnergieStiftung Kultur